Wirecard. Finanzkrimi
Milliarden verschwinden, Spion flieht, die Polizei sucht international. Der größte Finanzskandal Deutschlands einfach erklärt
Im Jahr 2001 kommt ein junger Mann zu Wirecard: Jan Marsalek, erst 19 Jahre alt. Beim Bewerbungsgespräch wirkt er freundlich. Ein Gründer der Firma erinnert sich später im Interview: „Er war gut auftretend.“ Bald arbeitet Marsalek für das Asiengeschäft der Firma.

2002 kommt ein zweiter wichtiger Mann: Markus Braun. Anders als Marsalek wirkt er kühl und distanziert. Braun und Marsalek bauen Wirecard zu einem großen Unternehmen auf: Online-Zahlungen für Firmen und später sogar eine eigene Bank. Kunden sind große Namen wie Aldi und Lidl.
Erste Zweifel
2008 gibt es erste Zweifel: Ein deutscher Aktionärsverband spricht von Bilanzfälschung1. Lange passiert nichts. Viele Investoren vertrauen weiter auf Wirecard.
2015 beginnen Journalisten der Financial Times Fragen zu stellen. Sie schreiben über eine mögliche Lücke von 250 Millionen Euro in der Bilanz2. Aber Wirecard bestreitet3 alles.
Drei Jahre später steigt Wirecard in den berühmten DAX 304 auf. Jetzt gehört die Firma offiziell zu den wichtigsten deutschen Unternehmen, wichtiger sogar als die Commerzbank.
Der Skandal
Doch im Juni 2020 kommt der große Skandal. Prüfgesellschaften5 bestätigen Probleme bei der Firma. Wirecard gibt zu: 1,9 Milliarden Euro auf den Konten existieren wahrscheinlich gar nicht. Wenige Tage später wird Markus Braun verhaftet. Er sitzt bis heute in Untersuchungshaft6.
Jan Marsalek verschwindet. Niemand weiß, wo er ist. Bald wird klar: Er benutzt falsche Pässe. Medien berichten, dass er nach Russland geflohen ist. Bis heute gilt er als einer der meistgesuchten Männer Europas.
Am 25. Juni 2020 meldet Wirecard Insolvenz7 an. Viele Investoren verlieren ihr Geld. Der Gerichtsprozess läuft immer noch.
die Bilanzfälschung → Manipulation von offiziellen Finanzzahlen einer Firma
die Bilanz → offizieller Finanzbericht einer Firma
bestreiten → sagen, dass etwas nicht stimmt
der DAX 30 → Liste der 30 größten deutschen Unternehmen an der Börse
die Prüfgesellschaft → Firma, die die Finanzen von anderen Firmen kontrolliert (z. B. Ernst & Young)
die Untersuchungshaft → wenn eine Person im Gefängnis ist, bevor Gerichtsprozess
die Insolvenz → wenn eine Firma kein Geld mehr hat



